Komponenten und Herstellerunterlagen zuordnen
Erfassen Sie für jede Komponente Hersteller, Modell, Kennung und die maßgebenden Nutzungsdaten. Die Gebrauchsanleitung muss zur Ausführung passen. Feste Anschlageinrichtungen sind von persönlicher Schutzausrüstung zu unterscheiden und benötigen ihren eigenen Nachweis über Eignung, Einbau und Zustand.
Die technische Prüfung ersetzt nicht die Planung des sicheren Einsatzes. Kompatibilität, geeigneter Anschlagpunkt, Arbeitsverfahren und Rettung müssen zusätzlich geregelt sein. Ein vorhandener Gurt allein macht eine Tätigkeit in der Höhe noch nicht sicher.
Grundlagen: DGUV Regel 112-198 – Benutzung von PSA gegen Absturz ↗
Gurtbänder, Beschläge und Funktion prüfen
Bei einem Auffanggurt werden die vorhandenen textilen und metallischen Teile nach den Produktvorgaben untersucht. Relevant sind beispielsweise Beschädigungen an Gurtbändern und Nähten, Verformung oder Korrosion an Beschlägen sowie die Funktion der Versteller und Verschlüsse. Kennzeichnung und etwaige Belastungsindikatoren werden einbezogen.
Verbindungsmittel und Auffanggeräte haben andere Baugruppen und Prüfanforderungen. Es ist unzulässig, sämtliche Komponenten anhand einer Gurt-Checkliste zu bewerten. Prüfverfahren, zulässige Instandsetzung und erforderliche Herstellerautorisierung müssen zum konkreten Artikel passen.
Grundlagen: DGUV Regel 112-198 – Benutzung von PSA gegen Absturz ↗ · DIN EN 365 – Anleitungen, Wartung und Überprüfung von PSAgA ↗ · DIN EN 361 – Auffanggurte ↗
Mindestens alle zwölf Monate – und bei Anlass früher
Die DGUV erläutert für PSA gegen Absturz eine Prüfung durch eine sachkundige Person nach Herstellerangaben und Einsatzbedingungen, mindestens jedoch alle zwölf Monate. Das ist keine Erlaubnis, erkennbare Schäden bis zum Jahrestermin zu übergehen. Die Kontrolle vor der Verwendung bleibt zusätzlich erforderlich.
Nach einer Belastung durch einen Absturz, bei negativem Befund oder unklarer sicherheitsrelevanter Historie darf keine automatische Wiederfreigabe erfolgen. Die Entscheidung richtet sich nach den zutreffenden Hersteller- und Fachvorgaben. Produktbezogene Gebrauchsdauern bleiben ebenfalls zu beachten.
Grundlagen: DGUV: Fragen und Antworten zu PSA gegen Absturz ↗
DIN EN 365, DIN EN 361 und DGUV Regel 112-198
DIN EN 365 behandelt unter anderem Gebrauchsanleitungen, Wartung, regelmäßige Überprüfung und Instandsetzung von PSA gegen Absturz. DIN EN 361 betrifft Auffanggurte. Ein Normbezug für den Gurt deckt deshalb nicht automatisch eine Anschlageinrichtung oder ein anderes Systemteil ab.
Die DGUV Regel 112-198 beschreibt Auswahl und Benutzung von PSA gegen Absturz. Die europäische PSA-Verordnung 2016/425 betrifft dagegen die Produktebene. Für die regelmäßige Prüfung braucht die sachkundige Person die passende Qualifikation und die produktspezifischen Unterlagen; ein allgemeiner Kursname ersetzt diese Zuordnung nicht.
Grundlagen: DIN EN 365 – Anleitungen, Wartung und Überprüfung von PSAgA ↗ · DIN EN 361 – Auffanggurte ↗ · DGUV Regel 112-198 – Benutzung von PSA gegen Absturz ↗ · Verordnung (EU) 2016/425 – Persönliche Schutzausrüstungen ↗
Beispiel: Ein ausgelöster Belastungsindikator
Bei der Kontrolle wird ein Hinweis auf eine außergewöhnliche Belastung gefunden. Der Artikel wird aus der Verwendung genommen. Die zuständige Person klärt das Ereignis und die Herstelleranforderungen; das Datum der letzten Prüfung allein begründet keine weitere Nutzung.
Die Akte nennt Artikelkennung, Befund, bekannte Umstände und Entscheidung. Wird ausgesondert, ist dies eindeutig sichtbar. Ersatzartikel erhalten ihre eigene Historie. Eine nachträglich ergänzte positive Checkliste darf den tatsächlichen Ereignisverlauf nicht verdecken.
Bestand und Fristen vorbereiten
Für diesen Bereich sind die Geräteverwaltung und die Planung von Fristen vorbereitet. Sie können die Anlagen im Bestand ihrer Gerätefamilie zuordnen. Eine eigene freigegebene Fachvorlage für sämtliche beschriebenen Prüfungen ist daraus noch nicht abzuleiten: Fachprüfung in Vorbereitung.
Beginnen Sie mit einer eindeutigen Gerätenummer und einem nachvollziehbaren Standort. Legen Sie fest, wer Termine bearbeitet und wie Mängel an die verantwortliche Stelle gelangen. Ein erledigter Softwarevorgang ersetzt keine qualifizierte Prüfentscheidung. Der tatsächliche Nachweis muss zum Gerät, zum Prüfanlass und zum ausgeführten Umfang passen.
Häufige Fragen
Gilt eine feste Lebensdauer für jeden Auffanggurt?
Nein. Die Grenzen sind produkt- und herstellerbezogen. Eine Angabe für ein bestimmtes Modell darf nicht pauschal auf andere Gurte oder Komponenten übertragen werden.
Kann ich einen Gurt nach einem Absturz selbst wieder freigeben?
Eine Wiederfreigabe folgt ausschließlich den zutreffenden Hersteller- und Fachvorgaben. Der Artikel muss zunächst aus der Verwendung genommen und sachkundig beurteilt werden.
Ist ein Anschlagpunkt Bestandteil jeder Gurtprüfung?
Nein. Feste Anschlageinrichtungen und persönliche Komponenten sind unterschiedliche Prüfobjekte. Ihr Zusammenwirken muss für den Einsatz dennoch geeignet sein.
Quellen und fachliche Einordnung
Redaktionsstand: 25.09.2026. Die verlinkten Gesetze, Regeln und Herausgeberinformationen sind nach ihrem jeweiligen Anwendungsbereich zu lesen. Bei DIN-/EN-Normen erläutern wir die öffentlich zugänglichen Katalogangaben; kostenpflichtige Normvolltexte werden nicht wiedergegeben. Die konkrete Prüfung richtet sich zusätzlich nach Herstellerunterlagen, Einsatz und erforderlicher Fachqualifikation.